Kriterien
Baobab Books prüft Kinder- und Jugendbücher auf ihre Qualität bezüglich der Darstellung unterschiedlicher Welten. Als Grundlage für die Beurteilung der Publikationen wurden nachfolgende Kriterien und Fragen erarbeitet.
Wertevielfalt statt Ethnozentrismus
Als Ethnozentrismus wird jene Haltung bezeichnet, die das eigene Empfinden, Denken und Handeln, die eigene Lebensart, Kultur oder Religion als Zentrum der Welt und zugleich als den anderen Lebenswelten überlegen versteht.
Ethnozentrismus kann den inneren Zusammenhalt einer Gruppe stärken und die Existenz und Identität des Individuums sichern. Andererseits sind damit aber oft eine abwertende Haltung und Vorurteile gegenüber anderen Gruppen verbunden. Ethnozentrismus ist ein Ausdruck der Schwierigkeit, dem Unbekannten und Anderen offen und wertfrei zu begegnen. Fremdes und Unvertrautes wird in der Folge als bedrohlich empfunden und als minderwertig verurteilt.
Wir empfehlen Bücher, die eine Vielfalt der Werte vermitteln.
Gleichwertigkeit statt Paternalismus
Paternalismus hat die Wurzeln im patriarchalen Wertesystem. Es ist der «Stärkere», der wohlmeinend und vermeintlich schützend für den «Schwächeren» entscheidet, anstatt Selbstständigkeit zu fördern und zu Selbstbewusstsein zu ermutigen. Das drückt sich zum Beispiel in der Einstellung und im Verhalten der Angehörigen von Wohlstandsgesellschaften gegenüber Menschen in so genannten Entwicklungsländern aus. Man spricht von «Entwickelten», die den «Unterentwickelten» auf dem Weg zum Fortschritt helfen.
Wir empfehlen Bücher, die unterschiedliche Gesellschaften und Schichten als einander ebenbürtig darstellen.
Respekt statt Rassismus
Rassistisches Denken sieht biologische, also angeborene Merkmale einer Ethnie oder eines Volkes als bedeutsam für die eigene Überlegenheit. Rassistisches Denken beziehungsweise ein rassistisches System setzt demzufolge Menschen anderer Ethnien und Kulturkreise herab, was zu offener Ablehnung und Unterdrückung führen kann. Damit sollen Macht und wirtschaftliche Vorteile der eigenen Gruppe gesichert werden. Eine Vermischung von Ethnien und Kulturen wird im rassistischen Denkmuster verurteilt.
Wir empfehlen Bücher, die fremde Ethnien respektvoll darstellen und Menschen als Individuen mit Gefühlen, Bedürfnissen und Fähigkeiten erfahrbar werden lassen.
Gender statt Sexismus
Sexismus bedeutet die Stereotypisierung und Diskriminierung eines Menschen aufgrund seines Geschlechts. Ähnlich wie beim Rassismus werden biologische Faktoren geltend gemacht, um die Überlegenheit über das andere Geschlecht zu rechtfertigen.
Gender heisst das soziale Geschlecht im Gegensatz zum biologischen und beschreibt gesellschaftliche Zuordnungen, die das Verhalten eines Mädchens oder eines Jungen beziehungsweise eines Mannes oder einer Frau prägen oder diese gar benachteiligen. «Frauen sind fürsorglich» oder «Jungen weinen nicht» sind Beispiele solcher Festschreibungen.
Wir empfehlen Bücher, die Jungen und Mädchen gleichwertig und mit einer eigenständigen Persönlichkeit darstellen.
Dialog statt Fundamentalismus
Der Begriff Fundamentalismus wird nicht einheitlich verwendet. Im Allgemeinen bezeichnet er heute die Tendenz innerhalb religiöser Gemeinschaften, die Heilige Schrift wörtlich auszulegen und sie als absolut und irrtumsfrei zu deklarieren. In der Regel geht damit die Ablehnung einer demokratischen und emanzipatorischen Gesellschaft einher. Verwandelt sich der Fundamentalismus in Fanatismus, wird nicht selten Gewalt zur Erreichung der Ziele angewandt. Fundamentalismus führte und führt zur Ausgrenzung oder sogar Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen.
Wir empfehlen Bücher, die zum Dialog und zum Verständnis zwischen den Religionen beitragen.
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