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Persepolis
Satrapi Marjane;

Persepolis

Gesamtausgabe
Aus dem Französischen von Stephan Pörtner.
Edition Moderne, Zürich, 2013
356 Seiten
CHF 31.90/EUR 25,00
Graphic Novel, ab 14 Jahren
Iran/Österreich
Kulturelle Identität, Erwachsenwerden, Krieg, interkulturelles Zusammenleben, Islam
DVD: Universum Film, 2014, 0888837765299, Französisch und Deutsch, ab 12 Jahren, 91 Min. EUR 9,99

Die zweibändige Autobiografie der Iranerin Marjane Satrapi in Comic-Form beschreibt Marjanes Entwicklung vom behüteten Einzelkind einer linksgerichteten Mittelstandsfamilie hochadeliger Abstammung zur rebellischen Jugendlichen. Es ist die Zeit von 1979 bis 1984, zwischen der Vertreibung des Schahs und dem irakisch-iranischen Krieg. Marjane Satrapis persönliche Geschichte ist eingebettet in den politischen Kontext, den sie ihrem Alter gemäss reflektiert. Schwärmerei für westliche Popmusik und Mode, Auflehnung gegen die Eltern und die regimetreuen Autoritäten gehören ebenso zu ihrem Leben wie Demonstrationen, Exekutionen, Bombenangriffe und Folter. Am Ende schicken die Eltern Marjane nach Wien – zu ihrem Schutz und um ihr eine westliche Ausbildung zu ermöglichen. Im zweiten Band, der ihre Jahre in Wien und zurück in Teheran beschreibt, steht Marjanes Identitätskrise im Vordergrund. Als Iranerin im Westen beziehungsweise Westlerin im Iran fühlt sie sich als Fremde in beiden Kulturen. Während ihrer Pubertät steigert sich ihr Gefühl von «Identitätslosigkeit» zur Lebenskrise. Marjane fängt sich wieder, absolviert ein Kunststudium in Teheran und verlässt schliesslich den Iran in Richtung Frankreich.
Die schlichten Schwarz-Weiss-Panels mit ihrer abstrakten, symbolhaften Bildsprache ermöglichen es der Autorin, selbst schreckliche Gräueltaten erträglich darzustellen. Durch die feine Ironie in Text und Zeichnung wird trotz der Schwere der angeschnittenen Themen eine gewisse Heiterkeit bewahrt. Die Lektüre des Comics ist anspruchsvoll und die politischen Ereignisse und Hintergründe sind nicht immer leicht zu verstehen. Dennoch (und auch gerade deswegen) sind die beiden Bände in ihrer Originalität unbedingt empfehlenswert!